Life & Style Bald ist es soweit: Der Brief bleibt ungeschrieben. Die Post macht dicht. Eine Ära geht zu Ende

Bald ist es soweit: Der Brief bleibt ungeschrieben. Die Post macht dicht. Eine Ära geht zu Ende

Die teilstaatliche Deutsche Post dementiert aufs Schärfste, bereits Pläne für den Briefausstieg fertig in der Schublade zu haben und kurz vor der Rückgabe ihrer Beförderungspflicht an den Staat zu stehen. Die Tendenz ist aber klar: Schon seit einem Jahr werden Briefe in Deutschland nicht mehr per Flugzeug befördert. Und mit der Postreform zum 1. Januar 2025 hat der „Universaldienstleister “ Post mehr Zeit, Briefe regulär zuzustellen: Statt in überwiegender Zahl am übernächsten Tag beim Empfänger zu sein, sind es nun drei Tage, auf dem Lande auch mehr. Und nur in Großstädten gibt es gesichert an sechs Wochentagen Post. Wie rührend wirkt da noch die Bemerkung des früheren Postchefs Klaus Zumwinkel, dass „wir künftig noch mehr als bisher 95 Prozent der Briefe am nächsten Tag zustellen”. Die eigenwillige Logik dieser Rechenkunst ist heute vergessen, viele legendäre Briefgeschichten sind es dagegen nicht.

Die Briefzustellung muss kurz nach Erfindung der Schrift entstanden sein – Dokumente sind nicht überliefert. In der Antike allerdings wurden Briefe schon regelmäßig befördert, in Ägypten naheliegenderweise per Wasserpost – der Nil bot sich eben an. In den restlichen Altertumskulturen gab es berittene Boten mit meist mündlichem Auftrag, teils Läufer. Unvergessen Pheidippides, der nach dem Sieg über die Perser bei Marathon 490 v. Chr. zwar mitsamt seiner Kurzmitteilung („Sieg!”) noch Athen erreichte, dort aber sogleich verstarb. Wahrscheinlich nicht das erste, aber sicher berühmteste Opfer der Eilzustellung.

Reiterkuriere mit Briefen und Paketen ritten zwar des Öfteren ihre Pferde zuschanden, überlebten aber selbst in großer Zahl. An Poststationen in ganz Europa wurden die Tiere gewechselt, dann ging es weiter. Das war der Goldstandard der Post vom alten Rom bis in den Wilden Westen mit seinem Ponyexpress, der ab 1860 für ein Jahr Furore machte. Briefe brauchten mit dem Reiter-Stafettensystem runde zehn Tage von Missouri bis zur kalifornischen Küste, immerhin 3200 Kilometer und durch eher unwirtliche Gegenden mit feindlich gesonnenen Indianern, von Naturhindernissen ganz zu schweigen. Von feiner Klugheit des Erfinders Wiliam H. Russell zeugte es, dass nur relativ leichtgewichtige und familiär ungebundene junge Leute bis 18 Jahre genommen wurden – am liebsten hatte man Waisen auf den Ponys. Schwerere Sendungen und gar Geld- und Goldtransporte übernahmen Postkutschen, die für spannende Unterhaltung noch Generationen später sorgten. Der Ponyexpress allerdings wich bereits 1861 der neuen Telegraphenleitung, die Postkutsche diente auf allen Seiten des Atlantiks noch viele Jahre.

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