Northvolt: Habeck glaubt, „das Ding“ ist noch zu retten. Wieso?
Der Minister verbreitet Optimismus, was die Zukunft der Batteriefabrik des insolventen Batterieherstellers Northvolt anbelangt. Tatsächlich haben bisher eine Reihe von Investoren abgewunken. Sie pumpen kein Geld mehr in den Pleitekandidaten. Woher nimmt Habeck seine Hoffnung?
Was passiert bei Northvolt wirklich? Und was genau weiß Robert Habeck darüber? Klar ist: Der schwedische Batteriebauer hatte in Heide mit dem Bau eines Werkes begonnen, musste dann aber im November Insolvenz anmelden. Eine Wandelanleihe der KfW, für die der Bund die Bürgschaft übernommen hatte, fiel dem zum Opfer und der Steuerzahler musste mit 600 Millionen Euro einspringen. Die Bürgschaft hatte Robert Habecks Wirtschaftsministerium initiiert, wofür der Minister seitdem in der Kritik steht.
Habeck allerdings hat das Geld noch nicht aufgegeben. Wieso? Er hofft auf einen Investor. Als er am Wochenende auf Wahlkampftour durch den Norden reiste, gab er dieser Hoffnung neue Nahrung. Angesprochen auf die Zukunft von Northvolt in Deutschland sagte Habeck: „Die schwedische Mutter hat ein technisches Problem gehabt, es gibt Interessenten, das Ding zu übernehmen. Dann können die Probleme abgestellt werden und dann könnte es auch weitergehen in Heide – beziehungsweise in Heide geht es ja weiter. Also, das ist ein offenes Verfahren.“ Der etwas kryptische Satz wird auch auf Nachfrage nicht viel klarer. Die Gespräche mit dem Ziel, dem Unternehmen eine Perspektive zu geben, liefen vertraulich, sagt ein Ministeriumssprecher.
Tatsächlich steht es nicht gut um den einstigen Hoffnungsträger, der Europas Abhängigkeit von der chinesischen Batteriefertigung mindern sollte. Das Unternehmen, das erst gerade dem Startup-Alter entwachsen ist, hat Liefer- und Qualitätsprobleme. Es hatte im November eingeräumt, nur noch Barmittel zu haben, um den Betrieb für etwa eine Woche aufrechtzuerhalten und sich darüber hinaus eine Finanzierung in Höhe von 100 Millionen Dollar für das Konkursverfahren gesichert zu haben. „Die Liquiditätslage von Northvolt ist katastrophal“, hieß es damals vom Unternehmen selbst. Die Schulden beliefen sich auf 5,8 Milliarden Dollar. Northvolt, das rund 6.600 Mitarbeiter in sieben Ländern beschäftigt, ging davon aus, dass die Umstrukturierung bis zum ersten Quartal 2025 abgeschlossen sein wird. Seitdem herrscht Schweigen aus dem Unternehmen.
Northvolt hatte sich damit innerhalb weniger Monate von Europas Champion für Elektrofahrzeugbatterien in ein Unternehmen verwandelt, das um sein Überleben kämpft. Wichtigster Unterstützer dabei ist bislang der schwedische LKW-Hersteller Scania. Von dort kommt auch der Kredit, um erstmal unter Insolvenzbedingungen weitermachen zu können. Scania hat sich bereit erklärt, Northvolt bei der täglichen Betriebsführung seines Vorzeigewerks in Nordschweden zu unterstützen. Dies ist offenbar ein letzter Versuch, die Qualität und die Produktion des angeschlagenen Herstellers von Batterien für Elektrofahrzeuge zu steigern. Seit November hat Scania Mitarbeiter in das Northvolt-Werk Ett in Skelleftea, 200 Kilometer unterhalb des Polarkreises, entsandt. Dies geht aus internen Northvolt-Dokumenten hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Es gehe darum, Teams zu „coachen“ und gleichzeitig „dabei zu helfen, Verbesserungen voranzutreiben und Standards umzusetzen“. Scania ist einer der wichtigsten Kunden von Northvolt.
Ein anderer möglicher Investor winkt dagegen ab: VW besaß lange mehr als 20 Prozent an dem Batteriehersteller und setzte darauf, die eigene Fahrzeugflotte mit Batterien von Northvolt auszurüsten. Seit Jahren allerdings schreiben die Wolfsburger ihre ursprüngliche Milliardenbeteiligung ab. Auch als Habeck noch die Bürgschaft für die KfW-Wandelanaleihe auf den Weg brachte, stand VW schon längst auf dem Bremspedal. Dass der Trend zur Abschreibung durch irgendetwas gestoppt werden oder sich VW sogar als Investor stärker engagieren könnte, ist nicht zu erwarten. Ob der Konzern die Nortvolt-Beteiligung jetzt intern bereits auf null abgeschrieben hat, wollte ein Sprecher nicht kommentieren.
Auch andere Hoffnungsträger machen sich rar. Die stellvertretende schwedische Ministerpräsidentin Ebba Busch sagte zwar auf der Social-Media-Plattform X, dass ihre Regierung die Elektrofahrzeug-Batterieindustrie weiterhin unterstützt. Konkret zu Northvolt befragt, sagte sie jedoch, dass die schwedische Regierung keine Pläne habe, den Batteriehersteller zu retten. Auch Volvo Cars, auf die Northvolt möglicherweise Hoffnungen gesetzt hatte, reagiert zurückhaltend. Northvolt und Volvo hatten gemeinsam das Batterieunternehmen Novo Energy aus der Taufe gehoben und daran jeweils 50 Prozent erworben. In diesem Monat übernahm Volvo die gesamten 100 Prozent, aber ohne Northvolt dafür Geld zu bezahlen. Der Kaufpreis belaufe sich auf null Millionen schwedische Kronen, stellte ein Volvo-Sprecher klar – was deutlich macht, dass auch von Volvo keine Hilfe zu erwarten ist.
Handelsbanken-Analyst Hampus Engellau bewertete die Insolvenz bisher so: Der Konkursantrag habe dem Unternehmen eine kurzfristige Atempause verschafft. „Er zeigt aber auch, dass sie keine Investoren gefunden und das für die Umstrukturierung ihres Geschäfts erforderliche Kapital aufgebracht haben.“ Woher Habeck seinen Optimismus nimmt, „das Ding“ zu retten, bleibt damit bis auf Weiteres das Geheimnis des Ministers.